Autosomal-rezessive Schwerhörigkeit (DFNB; Connexin
26 und Connexin 30)
Vererbung: autosomal-rezessiv; autosomal-dominant
(selten); digenisch.
Inzidenz: 1:1.000 Neugeborenen. Genetische
Ursache in ca. 50%.
Pathophysiologie: Connexin 26 (Cx26) und
Connexin 30 (Cx30) sind gap junction-Proteine, die am Kalium-Recycling
im Innenohr beteiligt sind
Klinisches Erscheinungsbild:
In vielen Fällen führen die Mutationen zu angeborener Taubheit;
es besteht jedoch eine phänotypische Varibilität mit zum Teil
milderer Ausprägung der Schwerhörigkeit, so dass in solchen
Fällen noch ein Spracherwerb möglich ist.
Genetische Ursache:
Cx26-Mutationen sind für bis zu 63% der autosomal rezessiven
NSHL-Fälle (DFNB1) verant-wortlich. Dabei kommt die Mutation c.35delG
gehäuft vor.
Zuweilen findet man bei Betroffenen lediglich eine Heterozygotie für
eine Cx26-Mutation, ohne eine zweite Mutation zu detektieren.
Eine mögliche Ursache hierfür sind pathogene Mutationen außerhalb
des kodierenden Bereichs (z. B. Promoter-Region). Darüberhinaus kann
es sich um Anlageträger handeln, deren Schwerhörigkeit nicht
auf einem Cx26-Defekt beruht. In einigen Fällen liegt eine
digenische Vererbung zugrunde, wobei zusätzlich eine Heterozygotie
für eine 342 kb-Deletion besteht, die einen großen Teil der
5’-Region des Cx30-Gens betrifft. Cx30 findet
sich 35 kb telomerwärts von Cx26 auf Chromosom 13.
Diagnostische Möglichkeiten:
- Klinisch:
audiologisch (Innenohrschwerhörigkeit).
- Molekulargenetisch:
Direkte Sequenzierung des Cx26-Gens (1 Exon, 2 Amplifikate).
Die Detektion der Cx30-Deletion erfolgt durch eine PCR, bei
der – bei Vorliegen der Deletion, ein Junction-Fragment amplifizierbar
ist. Für die genetische Beratung ist die Feststellung dieses Vererbungsmodus
von größter Bedeutung, da sich etwa für Kinder Betroffener
deutlich höhere Wiederholungswahrscheinlichkeiten für das
Auftreten von Schwerhörigkeit bei Nachkommen ergeben als im Falle
autosomal-rezessiver Vererbung.
Gen,
OMIM |
Lokus |
Exons /
Amplifikate |
Funktion |
Anteil an DFNB % |
Besonderheiten |
Cx26
121011 |
13q12.11
(DFNB1) |
1 kod. /
2 |
Zell-Zell-Kontakt;
gap junction;
K+-Recycling |
63 |
Selten auch dominante Mutationen,
die zu nicht-syndromaler Schwerhörigkeit oder zusätzlich
zu dermatologischen Manifestationen (Keratitis-Ichthyosis-Deafness-Syndrome)
führen |
Cx30
604418 |
13q12.11 |
1 kod. /
1 (junction-Fragment) |
Zell-Zell-Kontakt;
gap junction; K+-Recycling |
gering |
342 kb-Deletion unter Einschluß
eines Teils von Cx30 verursacht zusammen mit einem defekten Cx26-Allel
digenische Schwerhörigkeit |
- Genotyp-Phänotyp Korrelation:
Häufig Taubheit, aber auch intrafamiliäre Variabilität
der klinischen Ausprägung.
Datenbank:
Hereditary
Hearing Loss Homepage
OMIM: siehe Tabelle
| Da die Erforschung der genetischen
Ursachen der Schwerhörigkeit einen Schwerpunkt in unserer Gruppe
darstellt, sind wir auch an Proben sporadischer Patienten bzw. solcher,
die andere Erbgänge als den autosomal-rezessiven aufweisen, interessiert.
Bei Untersuchung von Kandidatengenen sowie zur gezielten Mutationsanalyse
in bestimmten Schwerhörigkeits-Genen werden solche Proben berücksichtigt.
Link zur Forschungsseite |
Literatur:
Petit C, Levilliers J, Hardelin JP. Molecular genetics of hearing loss.
Annu Rev Genet 2001;35:589-646.
Bolz H, Schade G, Ehmer S, Kothe C, Hess M, Gal A. Phenotypic variability
of non-syndromic hearing loss in patients heterozygous for both c.35delG
of GJB2 and the 342-kb deletion involving GJB6. Hear Res 2004;188:42-46.
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