Das Nephrotische Syndrom

MIM #600995

Klinik

Das Nephrotische Syndrom stellt eine der häufigsten Nierenerkrankungen im Kindesalter dar. Klinische Leitsymptome sind die große Proteinurie, die Hypoalbuminämie und Ödeme. Ödeme sind nicht obligat, jedoch oft die Auffälligkeit, die zu weiterer Diagnostik veranlasst. Das NS ist keine einheitliche Erkrankung. Nach klinischen Kriterien werden folgende Typen unterschieden:

Das primäre idiopathische NS tritt typischerweise im Kleinkindesalter sporadisch (nach Infekten) auf. Die Patienten zeigen überwiegend ein gutes Ansprechen auf eine Steroidtherapie (steroidsensibles NS; SSNS). Die genauen Ursachen des SSNS sind unbekannt, genetische Analysen sind für die Ursachenklärung in der Regel von untergeordneter Bedeutung. Die meisten Patienten zeigen in der Nierenbiopsie nur minimale glomeruläre Veränderungen (MCNS), einhergehend mit guter Prognose.

Das primäre nichtidiopathische NS manifestiert sich klassischer Weise auffällig früh (kongenital bzw. im ersten Lebensjahr) oder auffällig spät (kurz vor oder nach der Pubertät). Es zeigt eine primäre Steroidresistenz (SRNS) und häufige Rezidive. Die Familienanamnese kann positiv sein, und extrarenale Auffälligkeiten können vorliegen. Bei dieser Form des NS sollte eine (abgestufte) molekulargenetische Abklärung und ggf. eine Nierenbiopsie erfolgen. Hintergrund ist, dass in diese Gruppe auch die (mono)genetischen Formen des NS fallen, die sich im Wesentlichen durch folgende Besonderheiten auszeichnen:

  1. Meist fehlendes Ansprechen auf eine Steroidtherapie (Steroidresistenz), auch das Ansprechen auf andere Immunsuppressiva ist schlecht(er).
  2. Nachweis einer Fokal-Segmentalen Glomerulosklerose (FSGS) oder Diffusen Mesangialen Sklerose (DMS) in der Nierenbiopsie.
  3. Der klinische Verlauf mündet häufig in einer Niereninsuffizienz.
  4. In bestimmten Fällen Vorliegen des klinischen Bildes eines Denys-Drash-Syndroms (MIM#194080) bzw. eines Frasier-Syndroms (MIM#136680), unter anderem mit genitalen Auffälligkeiten im Sinne eines männlichen Pseudo-Hermaphroditismus.

Je nach betroffenem Gen und Art der Mutation manifestiert sich die Erkrankung unterschiedlich früh und schwer.

Wir arbeiten bei der Betreuung betroffener Individuen eng mit der Kindernephrologie der Universitäts-Kinderklinik Köln zusammen (Leiter: Prof. Dr. med. B. Hoppe)

Molekulare Ursachen

Derzeit sind Mutationen in 8 Genen bekannt, die ein NS verursachen können. Wir suchen nach Mutationen in den drei am häufigsten betroffenen Genen NPHS2 (MIM#604766), WT1 (MIM#607102) und NPHS1 (MIM#602716).

Vererbungsmodus

Mutationen in NPHS1 und NPHS2 folgen einem autosomal-rezessiven, Mutationen in WT1 einem autosomal-dominanten Vererbungsmodus.

Unsere Analysemethode

Stufe 1: Direkte Sequenzierung aller kodierenden Exone des NPHS2-Gens (8 Exone) und des WT1-Gens (11 Exone) sowie der angrenzenden splice sites anhand genomischer DNA.

Stufe 2: Bei negativen Befunden und Erstmanifestation vor dem 6. Lebensjahr zusätzlich direkte Sequenzierung aller kodierenden Exone des NPHS1-Gens (29 Exone) sowie der angrenzenden splice sites anhand genomischer DNA.

Auftrag für Überweisungsscheine nach Muster 10

Mutationssuche im NPHS2-, WT1- und NPHS1-Gens bei V. a. Nephrotisches Syndrom, humangenetisches Gutachten.

Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld „Kennziffer” die Nummer „32010” eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.

Untersuchungsmaterial

EDTA-Blut (10 ml bei Erwachsenen, 3-5 ml bei Kindern) oder genomische DNA (mindestens 1 µg). Pränatale Diagnostik nach vorheriger Absprache.

Dauer

3 Wochen (Stufe 1) bzw. 6 Wochen (Stufe 2)

Ansprechpartner

Dr. Nadine Reintjes (Tel: 0221-478-86829, Email: )
Dr. Bodo Beck (Kindernephrologie 0221-478-4319; Email: )

Unseren molekulardiagnostischen Anforderungsbogen finden Sie hier...

 

 

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