MIM #259900 und MIM #260000
Die primären Hyperoxalurien Typ I und Typ II sind seltene autosomal-rezessiv vererbte Erkrankungen des Glyoxylatmetabolismus mit den Kardinalsymptomen rezidivierende Calciumoxalat-Urolithiasis und/oder (progressive) Nephrocalcinose. Der häufigere Subtyp PH I zeigt im Allgemeinen eine größere Hyperoxalurie und führt unbehandelt zur terminalen Niereninsuffizienz meist im mittleren Lebensalter. In ca. 10 % der Fälle manifestiert sich die PH I als sog. infantile Oxalose mit Niereninsuffizienz im Säuglings- bis frühen Kindesalter.
Die seltenere PH II ist klinisch kaum von der PH I zu unterscheiden, die Oxalatexkretion ist etwas geringer und es findet sich eine erhöhte L-Glyceratausscheidung. Die Prognose wird im Hinblick auf die Entwicklung einer Nierenfunktionsstörung günstiger bewertet.
Bei beiden Formen ist die Auscheidung von Oxalat (> 1,0 mmol/1,73m2/24h) und Glycolat deutlich erhöht, daher ist die Untersuchung eines Sammelurins eine hervorragende Screeningmethode. Einen Anforderungsschein für diese Analyse finden Sie hier...
Mit zunehmender Einschränkung der Nierenfunktion ergeben sich falsch-niedrige Exkretionswerte, hier kann mitunter die Bestimmung der Oxalatkonzentration im Blutplasma weiterführen. Gleichzeitig beginnt die zunehmende Deposition von Calciumoxalat-Salzen in fast alle Gewebe (=systemische Oxalose), was der Erkrankung nun den Charakter einer Multisystemerkrankung verleiht und die Prognose erheblich verschlechtert. Häufig sind dann Fehldiagnosen wie rheumatoide Erkrankung, unklare Autoimmunerkrankung/Vasculitis. 30 % der adulten Patienten werden erst im Stadium der dialysepflichtigen Niereninsuffizienz erkannt.
Die Erkrankung zeigt eine erhebliche inter- und intrafamiliäre Variabilität, was die korrekte Diagnose zusätzlich erschweren kann. Wir arbeiten bei der Betreuung betroffener Individuen eng mit dem Hyperoxalurie Center der Kindernephrologie der Universitäts-Kinderklinik Köln (Leiter: Prof. Dr. med. B. Hoppe) zusammen.
Mutationen in den Genen AGXT (MIM #604285) und GRHPR (MIM #604296).
Die Erkrankung folgt einem autosomal-rezessiven Vererbungsmodus.
Kindernephrologie der Universitäts-Kinderklinik Köln
Primäre Hyperoxalurie Selbsthilfe e.V.©
Oxalosis & Hyperoxaluria Foundation ©
Stufe 1. Direkte Sequenzierung aller kodierenden Exone sowie der angrenzenden splice sites des AGXT-Gens (PH I, 11 Exone) und/oder des GRHPR - Gens (PH II, 9 Exone) anhand genomischer DNA.
Stufe 2. MLPA-Analyse zur Detektion von Deletionen bzw. Duplikationen, die der direkten Sequenzierung entgehen können.
Mutationssuche im AGXT- und GRHPR-Gen bei V. a. primäre Hyperoxalurie Typ I/II, humangenetisches Gutachten.
Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld „Kennziffer” die Nummer „32010” eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.
EDTA-Blut (5-10 ml) oder genomische DNA (mindestens 2 µg). Pränatale Diagnostik (für PH 1) nach vorheriger Absprache.
3-4 Wochen
Dr. Bodo Beck (Kindernephrologie 0221-478-4319; Email:
)
Dr. Nadine Reintjes (Tel: 0221-478-86829, Email:
)
Unseren molekulardiagnostischen Anforderungsbogen finden Sie hier...