SMARD1

MIM #604320

Klinik

Als SMARD1 (engl.: spinal muscular atrophy with respiratory distress; aktueller Name = DSMA1, distal spinal muscular atrophy) wird eine seltene neuromuskuläre Erkrankung mit Degeneration des 2. (spinalen) motorischen Neurons bezeichnet. Intrauterine Wachstumsverzögerung, Frühgeburtlichkeit, schwaches Schreien als frühe Zeichen.

Leitbefunde: wenige Wochen bis Monate nach Geburt einsetzende Skelettmuskelschwäche, beginnend distal (rumpffern) häufig mit resultierenden Kontrakturen, und eine durch progressive Zwerchfelllähmung bedingte zunehmende Atemnot. Radiologisch typischerweise ein- oder beidseitiger Zwerchfellhochstand. Die Atemnot kann plötzlich auftreten und dann eine notfallmäßige maschinelle Beatmung erfordern. Neben schweren Verläufen (respiratorisches Versagen im 1.-2. Lebensjahr) kommen seltener auch mildere Verläufe mit Stabilisierung und lediglich nächtlicher Hypoventilation vor. Sensorik und autonomes Nervensystem sind gelegentlich involviert (Hypästhesie, starkes Schwitzen, Konstipation, kardiale Arrhythmien, Refluxnephropathie, etc.).

Elektrophysiologische, bioptische und laboranalytische Befunde wie bei SMA I (u. a. normale oder leicht erhöhte CK). Unterscheidungskriterien zur infantilen spinalen Muskelatrophie (SMA I): letztere ist durch eine z.T. unmittelbar von Geburt an vorhandene Schwäche der rumpfnahen Muskulatur und Interkostalmuskulatur (im Verlauf Glockenthoraxdeformität) gekennzeichnet und schreitet immer voran.

Molekulare Ursache

Biallelische Mutationen im IGHMBP2-Gen (MIM #600502, immunoglobulin ?-binding protein 2) auf Chromosom 11q13.3 in ~20% der Fälle. Genetisch heterogen, d.h. Mutationen in noch nicht identifizierten Genen in den übrigen Patienten.

Vererbungsmodus

Autosomal-rezessiv.

Weitere Infos

PubMed #19157874
PubMed #17431882
Deutsche Selbsthilfegruppe für Familien mit SMA und SMARD
Europäisches Netzwerk zur Erforschung und Entwicklung von Therapieansätzen für neuromuskuläre Erkrankungen

Unsere Analysemethode

Direkte Sequenzierung der 15 kodierenden Exone sowie der angrenzenden splice-sites des IGHMBP2-Gens anhand genomischer DNA. Bei nicht eindeutigem klinischen Bild ggf. vorab molekulargenetischer Ausschluss einer SMA.

Auftrag für Überweisungsscheine nach Muster 10

Für postnatale Analyse: Mutationssuche im IGHMBP2-Gen bei V. a. SMARD1, humangenetisches Gutachten.

Für pränatale Analyse: Mutationssuche im IGHMBP2-Gen anhand fetaler DNA bei V. a. SMARD1, Haplotypanalyse, humangenetisches Gutachten.

Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld ?Kennziffer? die Nummer ?32010? eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.

Untersuchungsmaterial

EDTA-Blut (5-10 ml) oder genomische DNA (≥1µg). Pränatale Diagnostik nach vorheriger Absprache.

Dauer

3-4 Wochen; falls erforderlich (Pränataldiagnostik) auch schneller.

Ansprechpartner

Dr. Jutta Becker (Tel.: 0221-478-86835; Email: )
Prof.Dr. Wirth, (Tel: 0221-478 86464, Email: )
Dr. Raoul Heller (Tel.: 0221-478-86832; Email: )

Unseren molekulardiagnostischen Anforderungsbogen finden Sie hier...

WICHTIG

Ungeklärte Diagnose/ Schwangerschaftsabbruch in Familie mit weiterem Kinderwunsch? ==> Den Eltern bitte DNA-Asservierung und ggf. kinderpathologische Untersuchung nahe legen!
Einverständnisformulare: kritischer Zustand / verstorben

 

 

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