Die autosomal-rezessive proximale spinale Muskelatrophie Typ I-IV (SMA I - IV)

MIM #253300, MIM #253550, MIM #253400, MIM #271150

Klinik

Die autosomal-rezessive proximale spinale Muskelatrophie Typ I-IV ist eine degenerative neuromuskuläre Erkrankung und häufige Todesursache im Kleinkindesalter.

Die schwer verlaufende SMA I (Werdnig-Hoffmann) manifestiert sich meist innerhalb der ersten Lebenswochen. Im Vordergrund stehen eine generalisierte, proximal betonte muskuläre Hypotonie und Bewegungsarmut. Die Lebenserwartung ist durch eine progrediente Schwäche der Interkostalmuskeln und einsetzenden Bulbärparalyse erheblich eingeschränkt und liegt durchschnittlich bei 7-8 Monaten. Auch Patienten mit einer SMA II können mit generalisierter Muskelhypotonie schon in den ersten Lebensmonaten auffällig werden, lernen aber zu sitzen, jedoch nicht frei zu laufen. Die Mehrzahl der SMA II Patienten erreicht das Erwachsenenalter. Die rumpfbetonte Muskelatrophie führt im Lauf der Erkrankung jedoch zu Wirbelsäulendeformitäten, Gelenkkontrakturen und eingeschränkter Lungenfunktion, die eine reduzierte Lebenserwartung bedingt. SMA III (Kugelberg-Welander) ist die mildeste infantile SMA mit der größten klinischen Variabilität. Die Patienten lernen ohne Hilfe zu gehen. Der Krankheitsverlauf ist nach einem initialen Verlust von motorischen Funktionen meist sehr stabil und von langen Phasen ohne Progredienz gekennzeichnet. Aus prognostischen Erwägungen wird eine SMA IIIa (Beginn ≥3 Jahre) von einer SMA IIIb (Beginn > 3 Jahre) unterschieden. Der Erkrankungsbeginn der SMA IV liegt zwischen dem 30.-60. Lebensjahr. Meistens sind die proximalen Beinmuskeln betroffen. Der Verlauf ist meist langsam progredient.

Bei V.a. SMA sollte heutzutage primär keine elektrophysiologische Diagnostik oder eine Muskelbiopsie durchgeführt, sondern die molekulargenetische Testung angefordert werden.

Differentialdiagnosen

„floppy infant” (u. a. SMARD1, kongenitales Myasthenie Syndrom, kongenitale Myopathien, Prader-Willi Syndrom, Speicherkrankheit, peroxisomale Störung, ALS).

Molekulare Ursachen

Homozygoter Verlust des SMN1-Gens (MIM *600354) auf 5q13 (96 % der Fälle) oder compound-Heterozygotie (Deletion plus Punktmutation in 4% der Fälle).

Die Anzahl der SMN2-Genkopien (MIM *601627) beeinflusst den Schweregrad der SMA, ist aber kein individuell völlig verlässlicher prognostischer Parameter.

Vererbungsmodus

Autosomal-rezessiv.

Weitere Infos finden Sie hier

Treat-NMD
Treat-NMD: SMA-Behandlungsstandards
Initiative-SMA
SMA-Deutschland
Families of SMA

Unsere Analysemethoden bei Verdacht auf:

Auftrag für Überweisungsscheine nach Muster 10

Für postnatale Analysen: Mutationssuche im SMN1- und SMN2-Gen bei V. a. SMA (bzw. SMA-Anlagerträgerschaft), humangenetisches Gutachten.

Für pränatale Analysen: Mutationssuche im SMN1- und SMN2-Gen anhand fetaler DNA bei V. a. SMA, Haplotypanalyse, humangenetisches Gutachten.

Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld „Kennziffer” die Nummer „32010” eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.

Untersuchungsmaterial

EDTA-Blut (5-10 ml) oder genomische DNA (≥2 µg). Pränatale Diagnostik nach vorheriger Absprache. Bei V. a. compound-Heterozygotie benötigen wir ein PAXgene Röhrchen zur RNA-Extraktion.

Dauer

2-3 Wochen; innerhalb 1 Woche wird für Pränataldiagnostik angestrebt; ~12 Wochen für Punktmutationsanalyse.

Ansprechpartner

Dr. Raoul Heller (Tel.: 0221-478-86832; Email: )
Dr. Nadine Reintjes (Tel: 0221-478-86829, Email: )
Prof.Dr. Wirth, (Tel: 0221-478 86464, Email: )

Unseren molekulardiagnostischen Anforderungsbogen finden Sie hier...

 

 

  Print version