MIM #208150
Die Fetale-Akinesie-Deformations-Sequenz (FADS; = Pena-Shokeir I), u. a. als schwerste Form eines kongenitalen Myasthenie-Syndroms (CMS; MIM #608931); umfasst auch das multiple Pterygium-Syndrom (MPS; MIM #253290 bzw. #265000).
Spektrum variabler Befundkombinationen mit hoher Letalität. Inzidenz: ~1:15.000.
Pränatal: fetale Hypo-/Akinesie, Polyhydramnion, fetaler Hydrops und Wachstumsretardierung, Arthrogryposis multiplex congenita (AMC), Pterygien, Lungenhypoplasie, Gaumenspalte und andere kraniofaziale Dysmorphien; ≥30% prä-/perinatal letal; gehäuft Frühgeburten.
Postnatal: Hypotonie (floppy infant) bis zur Akinesie, Schluckstörung, respiratorische Anpassungsstörung bis zur Beatmungspflichtigkeit, episodische Apnoen, Temperaturregulationsstörung, AMC, Pterygien, faziale Hypomimie mit Ptosis und Opthalmoparese, faziale Dysmorphien (langes Philtrum, Mikrogenie, tiefe Ohren, Gaumenspalte, Hypertelorismus), frühmanifeste Skoliose, gelegentlich Spontanfrakturen. Teils Ansprechen auf Therapieversuch mit Acetylcholinesterase-Inhibitoren / Ephedrin.
Labor- und apparative Diagnostik: Chromosomenanalyse, CK, Laktat, kraniales MRT. Elektrophysiologische Diagnostik auf kongenitale Myasthenien (EMG) ist in den ersten Lebensmonaten nicht verlässlich. Muskelbioptisch keine spezifischen Zeichen bei einer Synaptopathie im Gegensatz z. B. zur kongenitalen Strukturmyopathie.
Bitte detaillierte Dokumentation der Familienanamnese (ethnische Herkunft!) und des Phänotyps (strukturierter Fragebogen auf Anfrage). Leitbefunde (z.B. Pterygien, Apnoe-Attacken, Temperaturregulationsstörung, Opthalmoparese, CK-Wert, ZNS-Pathologie im MRT) können die in Frage kommende Kandidatengene reduzieren bzw. auf Differentialdiagnosen hinweisen.
Trisomie 18; kongenitale Myotone Dystrophie; maternale zirkulierende Antikörper gegen fetale Untereinheit des Acetylcholinreceptors (AChR-AKs); kongenitale Myopathien; PCH; SMA I; SMARD; maternaler Kokain-Konsum.
in ≥50% liegt eine genetische Störung vor; z. B. genetisch heterogene Erkrankungen der neuromuskulären Synapse (Synaptopathien). Biallelische Mutationen im CHRNG (MIM *100730), CHRNA1 (MIM *100690), CHRND (MIM *100720), RAPSN (MIM *601592), vereinzelt DOK7 (MIM *610385) -Gen.
autosomal-rezessiv.
Dept. of Pathology - CHU Sainte-Justine, Montréal
Europ. Portal f. seltene Krankheiten und Orphan Drugs
Arbeitsgruppe Frau Dr. Katrin Hoffmann, Institut f. Med. Genetik, Charité, Berlin
Stufe 1 (optional): Abhängig von der Familienanamnese und der Verfügbarkeit von DNA-Proben weiterer Familienmitglieder ggf. kostenfreies Angebot einer indirekten Analyse (mittels Kopplung) zur Einengung der in Frage kommenden Kandidatengene.
Stufe 2: Sequenzierung der kodierenden Exons von Genen im Acetylcholin-Rezeptor pathway: RAPSN (Exon 2, danach alle weiteren Exons); CHRNG; weitere Gene nach Rücksprache).
Mutationssuche im RAPSN- und CHRNG-Gen bei V. a. FADS, humangenetisches Gutachten.
Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld „Kennziffer” die Nummer „32010” eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.
EDTA-Blut (5-10 ml) oder genomische DNA (≥1 µg).
variabel, ~4-6 Wochen pro Gen, falls erforderlich (Pränataldiagnostik) schneller.
Dr. Jutta Becker (Tel.: 0221-478-86835; Email:
)
Dr. Raoul Heller (Tel.: 0221-478-86832; Email:
)
Unseren molekulardiagnostischen Anforderungsbogen finden Sie hier...
Ungeklärte Diagnose oder Schwangerschaftsabbruch in Familie mit weiterem Kinderwunsch? ==> Den Eltern bitte DNA-Asservierung sowie ggf. eine kinderpathologische Untersuchung nahelegen!
Einverständnisformulare: kritischer Zustand / verstorben