Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

MIM #105400

Klinik

Die Amyotrophe Lateralsklerose gehört zu einer Gruppe neurodegenerativer Erkrankungen mit Verlust von kortikalen, bulbären und spinalen Motoneuronen in unterschiedlichem Ausmaß. Prävalenz ~1:20.000.

Die klinischen Symptome sind variabel, je nachdem ob das 1. oder 2. Motorneuron zuerst betroffen ist. Frühe Befunde sind in ~3 von 4 Patienten spinale (fokale, asymmetrische Gliedermuskelschwäche) bzw. in ~1 von 4 Patienten bulbäre Symptome (Dysarthrie, Dysphagie mit Hypersalivation).

Typischerweise kommen im weiteren Krankheitsverlauf sich regional ausbreitende Paresen, Atrophien und Spastik nebeneinander vor. Kognitive Funktionen sind wahrscheinlich in ~5% im späteren Verlauf beeinträchtigt (frontotemporale Demenz, FTD). In der Regel ungestörte Sensibilität. Die klinische Diagnose wird anhand der der El Escorial Kriterien überprüft.

Die mittlere Überlebenszeit liegt nach Diagnosestellung bei 3-5 Jahren infolge der Ateminsuffizienz. Nur ~1 von 10 Patienten mit adulter Form (bevorzugt mit spastischer Symptomatik) sowie Patienten mit juveniler Form weisen eine deutlich längere Überlebenszeit auf.

Das Haupterkrankungsalter der ALS liegt zwischen dem 50.–70. Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (1.5:1). Altersabhängige Penetranz bei dominanten Formen (≥90% bis 70 Jahre).

Mindestens 90% sind sporadische Fälle (SALS), die idiopathisch/multifaktoriell entstehen; weniger als 10% sind familiäre Fälle (FALS), die genetisch heterogen sind. Die FALS und SALS sind phänotypisch nicht unterscheidbar. Durchschnittliches Alter bei Manifestation ist 56 Jahre (SALS) bzw. 46 Jahre (FALS).

Differentialdiagnosen

Bei vorwiegender Bulbärsymptomatik u.a. Myasthenia gravis oder okulopharyngeale Muskelatrophie; bei vorwiegender Spastik u.a. Adrenoleukodystrophie, spastische Paraparesen; bei vorwiegenden Paresen u.a. spinale Muskelatrophie (SMA), spinobulbäre Muskelatrophie Typ Kennedy (SBMA = SMAX1), Einschlusskörpermyositis.

Bei SOD1 negativen Fällen mit autosomal-dominantem Erbgang kann eine Mutationsanalyse des FUS- (ALS6) bzw. TARDBP- (ALS10) Gens erwogen werden.

Molekulare Ursachen

Mutationen in den Genen SOD1 (MIM *147450, adulte Form), ALS2 (MIM *606352, ausschließlich juvenile Form, selten) und VAPB (MIM *605704, sehr selten); s. auch http://alsod.iop.kcl.ac.uk/

Bei ~20% der Personen mit positiver Familienanamnese für die dominant erbliche ALS liegen Mutationen im SOD1-Gen vor, aber nur bei ~3% der SALS Patienten.

Vererbungsmodus

Autosomal-dominant (SOD1-, VAPB-Gen), autosomal-rezessiv (ALS2-Gen).

Weitere Infos finden Sie hier

www.dgm.org
www.alsa.org
www.wfnals.org

Unsere Analysemethode

Direkte Sequenzierung der kodierenden Exone sowie der angrenzenden splice sites von SOD1, ALS2 und VAPB anhand genomischer DNA.

Auftrag für Überweisungsscheine nach Muster 10

Mutationssuche im SOD1-, ALS2- und VAP-Gen bei V. a. ALS, humangenetisches Gutachten.

Bitte rechts oben auf dem weiß-roten Ü-Schein in das Feld „Kennziffer” die Nummer „32010“ eintragen. Humangenetische Leistungen belasten nicht das Laborbudget des Einsenders.

Untersuchungsmaterial

EDTA-Blut (5-10 ml) oder genomische DNA (≥ 2 µg).

Dauer

3-4 Wochen

Ansprechpartner

Dr. Nadine Reintjes (Tel: 0221-478-86829, Email: )
Prof.Dr. Wirth, (Tel: 0221-478 86464, Email: )
Dr.med. Heller (Tel: 0221-478-86832, Email: )

WICHTIG

DNA-Asservierung (5-10 ml ETDA Blut) bei ungeklärten Fällen mit Blick auf Verwandte des Patienten.

 

 

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M–P Dysmorphologie