Autosomal Rezessive Kongenitale Ichthyosen (ARCI, LI, NCIE)

Vererbung:
autosomal-rezessiv

Inzidenz / Häufigkeit:
1:100.000 bis 1:200000 Lebendgeburten in der europäischen Bevölkerung. In Kulturen mit der Tradition konsanguiner Ehen ggf. häufiger.

Klinisches Erscheinungsbild:
Seit der Geburt bzw. in den ersten vier Wochen nach der Geburt auftretende generalisierte, am ganzen Körper ausgeprägte Schuppung der Haut. Handflächen und Fußsohlen sind meist mitbetroffen, dominieren aber nicht das klinische Bild. Form, Härte, Farbe und Größe der Schuppen ist von Patient zu Patient sehr variabel und läßt keine Rückschlüsse auf den zu Grunde liegenden Gendefekt zu. Auch einzelnen Hautpartien eines Patienten können sich in der Schuppungsart sehr unterscheiden (Festigkeit / Farbe ). Manche Patienten zeigen unter der Schuppung eine Rötung der Haut, die man als Erythem bezeichnet. Ist die Schuppung am Kopf sehr ausgeprägt, so kann dies den Haarwuchs beeinträchigen. Viele Patienten können nicht oder nur unzureichend schwitzen. Dies führt zu einer Hitzeintoleranz. Viele Patienten mit kongenitaler Ichthyose werden als sogn. Kollodiumbabys geboren: Das Neugeborene ist mit einer Pergamentpapierähnlichen Membran umhüllt. Diese platzt in den ersten Lebenstagen auf, neue, empfindliche Haut wird sichtbar. Da die Kollodiummembran sehr fest ist, kann es zu Komplikationen beim Lidschluß (Ektropion) kommen. Ebenso kann die Lippe durch die feste Membran nach außen gezogen worden sein (Eklabium). Eklabium und Ektropion verschwinden meist mit dem Abheilen der Kolliodiummembran. Während der Kollodiummembrans-Phase kann keine Aussage über die Form und Schwere der Ichthyose gemacht werden. Es kommt vor, daß später keine oder nur noch minimale Schuppung zu sehen ist. (selbstheilendes Kollodiumbaby [6])

Genetische Ursache(n):
Autosomal rezessive kongenitale Ichthyosen (ARCI), auch lamelläre Ichthyosen genannt, sind sowohl klinisch also auch genetisch heterogen. Bis heute sind 6 verschiedene Genorte für ARCI beschrieben, wobei nur für die Genorte 14q11.2 (TGM1), 17p13.1 (ALOX12B und ALOXE3), 2q34-q35 (ABCA12) und 5q33 (ichthyin-Gen) die ursächlichen Gene bekannt sind. Die Genorte 19p12-q12 und 19p13.1-13.2 sind noch nicht näher beschrieben. Mutationen im Gen ABCA12 wurden bisher nur bei Patienten mit einer genetischen Herkunft aus Nordafrika identifiziert. Etwa 30 % aller Betroffenen sind Träger von Mutationen im Gen TGM1, weitere 12 % zeigen DNA-Veränderungen in einem der beiden Gene ALOX12B oder ALOXE3. Aussagen über die Häufigkeit von Mutationen im ichthyin-Gen können noch nicht gemacht werden.

Diagnostische Möglichkeiten:

Datenbanken und verwandte Links:
OMIM: siehe Tabelle 1
www.RoughSkin.de
NIRK (www.netzwerk-ichthyose.de)
F.I.R.S.T. (www.ScalySkin.org)
Selbsthilfe Ichthyose e.V. (www.ichthyose.de)

Ansprechpartner / Probenversand:
Da die Untersuchung der autosomal rezessiven kongenitalen Ichthyosen ein Forschungschwerpunkt unserer Arbeitsgruppe ist, sind wir sehr an Blut- und Hautproben von Patienten und ihren Angehörigen interessiert. Dies vor allem dann, wenn sich aus dem Stammbaum eine Konsanguinität (Blutsverwandtschaft) ableiten läßt.

Wir bitten vor Entnahme und Versand von Patientenmaterial um Kontaktaufnahme:

PD Dr. Hans Christian Hennies
Universität zu Köln
Cologne Center for Genomics
Abt. Dermatogenetik
Zülpicher Str. 47
50674 Köln
 
E-Mail:
Tel.: +49.221.470-6911 oder -1350
Fax: +49.221.470-1595

 

Die diagnostische Untersuchung wird durch die Zusammenarbeit zwischen dem Cologne Center for Genomics (Abt. Dermatogenetik) und dem Institut für Humangenetik Köln angeboten.

Ansprechspartner von Seiten des Instituts für Humangenetik Köln: Prof. Dr. Brunhilde Wirth. (Siehe Mitarbeiterliste)

 

Literatur:

  1. Krieg P, Marks F, Furstenberger G A gene cluster encoding human epidermis-type lipoxygenases at chromosome 17p13.1: cloning, physical mapping, and expression. Genomics 2001 May 1;73(3):323-30.

  2. Krebsova A, Kuster W, Lestringant G, Schulze B, Hinz B, Frossard PM, Reis A, Hennies HC Identification, by homozygosity mapping, of a novel locus for autosomal recessive congenital ichthyosis on chromosome 17p, and evidence for further genetic heterogeneity. Am. J. Hum. Genet.2001 69: 216-222.

  3. Jobard F, Lefevre C, Karaduman A, Blanchet-Bardon C, Emre S, Weissenbach J, Ozguc M, Lathrop M, Prud’homme JF, Fischer J Lipoxygenase-3 (ALOXE3) and 12(R)-lipoxygenase (ALOX12B) are mutated in non-bullous congenital ichthyosiform erythroderma (NCIE) linked to chromosome 17p13.1. Hum. Molec. Genet.2002, 11: 107-113.

  4. Yu Z, Schneider C, Boeglin WE, Brash AR Mutations associated with a congenital form of ichthyosis (NCIE) inactivate the epidermal lipoxygenases 12R-LOX and eLOX3. Biochim Biophys Acta. 2005 Jan 5;1686 3:238-47.

  5. Lefevre C, Bouadjar B, Karaduman A, Jobard F, Saker S, Ozguc M, Lathrop M, Prud’homme JF, Fischer J Mutations in ichthyin a new gene on chromosome 5q33 in a new form of autosomal recessive congenital ichthyosis. Hum Mol Genet. 2004 Oct 15;13(20):2473-82.

  6. Raghunath M, Hennies HC, Ahvazi B, Vogel M, Reis A, Steinert PM, Traupe H Self-healing collodion baby: a dynamic phenotype explained by a particular transglutaminase-1 mutation. J. Invest. Derm.2003, 120: 224-228.

  7. Huber M, Rettler I, Bernasconi K, Frenk E, Lavrijsen SPM, Ponec M, Bon A, Lautenschlager S, Schorderet DF, Hohl D Mutations of keratinocyte transglutaminase in lamellar ichthyosis. Science 1995, 267: 525-528.

  8. Hennies HC, Kuster W, Wiebe V, Krebsova A, Reis A Genotype/phenotype correlation in autosomal recessive lamellar ichthyosis. Am J Hum Genet. 1998 May;62(5):1052-61.

  9. Katja-Martina Eckl, Peter Krieg, Wolfgang Küster, Heiko Traupe, Françoise André, Nadine Wittstruck, Gerhard Fürstenberger, Hans Christian Hennies Mutation spectrum and functional analysis of epidermis-type lipoxygenases in patients with autosomal recessive congenital ichthyosis. Hum Mutat. 2005 Aug 22;26(4):351-361.

 

 

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